222 Studierende übernachten in selbstgebauten Biwaks

Ein Semester hatten die Erstsemestrigen des Fachbereichs Bau der Hochschule Luzern Zeit, um in Teams von rund vier Personen ein eigenes Biwak zu konzipieren und zu bauen. Bei winterlichen Temperaturen testeten sie ihr Werk schliesslich über Nacht im Melchtal.

Zwei Studierende bauen ihr Biwak im Schnee auf.

Die Herausforderung für die Erstsemestrigen des Departements Technik und Architektur an der Hochschule Luzern hiess: Konstruiert ein Nachtlager, das eurem Team Schutz für eine winterliche Übernachtung im Freien bietet, und das während mindestens 20 Minuten selber transportiert werden kann. Natürlich keines, das im Outdoor-Shop gekauft wird, sondern eins, das die Studierenden der Studiengänge ArchitekturInnenarchitekturBauingenieurwesen und Gebäudetechnik | Energie selbst entwickeln, planen und umsetzen. Herkömmliche Tragkonstruktionen waren verpönt, Kreativität also gefragt.

Die Aufgabenstellung beinhaltete Recherche und Entscheidungen zu Materialien, Tragkonstruktionen, Kosten und Materialbeschaffung, denn die Kosten werden nicht von der Hochschule übernommen. Es galt also, entweder Sponsoren vom Projekt zu überzeugen oder aber mit Secondhand- oder Recyclingmaterialien zu arbeiten. Von Lastwagenblachen bis zum Tetrapack-Material reichten die Ideen, für die Tragfähigkeit sorgten verschiedene Konstruktionen, darunter auch Heliumballone. 

Zelt mit Heliumballons als Tragkonstruktion
Die Heliumballons als Tragkonstruktion fielen auch in der Nacht noch auf.
Von oben sehen die Zelte aus wie Bonbons
Bonbons oder Zelte?
Zelt aus verschiedenen Materialien.
Kreativität war von der Materialwahl bis zur Form gefragt.

Test in klirrend kalter Nacht

Der Termin, an dem das Resultat unter Beweis gestellt werden sollte, stand schon lange fest. Dass es die bisher kälteste Nacht in diesem Jahr werden sollte, war nicht geplant. «Es war einer dieser Tage, die man den Rest des Lebens als eisig funkelnde Erinnerung behalten wird», sagt der modulverantwortliche Dozent Johannes Ritzer. Dies dürfte auch den Studierenden so gehen, die zum Teil bis zum letzten Moment am Werk waren, um sicherzustellen, dass ihre Pläne auf dem eingeschlagenen Weg tatsächlich umgesetzt werden konnten. 

Planen heisst mehr als einen guten Plan zeichnen

Natürlich ist das so genannte «Kontextmodul Bau» kein Selbstzweck. Die Studierenden lernen dabei, dass Planung nicht nur bedeutet, einen guten Plan zu zeichnen, sondern dass dazu gehört, Prozesse gesamtheitlich zu verstehen und gedanklich vorwegzunehmen sowie alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um ein Ziel zu erreichen. Das erfordert auch im Berufsleben mehr als fachspezifische Kompetenzen; eine Kultur der Kommunikation und der Zusammenarbeit nötig. «Teamwork» heisst das gemeinhin. Begleitet wurde der gesamte Prozess von einer wissenschaftlichen Dokumentation. 

Das Team war denn auch in der winterlichen Nacht gefragt. Nicht alle Biwaks hielten der Herausforderung stand. So galt es auch hier, auf einander zu achten, sicherzustellen, dass es allen in der selbstgemachten Bleibe noch gut geht und sich wenn nötig auch zu entscheiden, das Biwak für den Rest der Nacht zu verlassen und im Sportcamp Melchtal Unterschlupf zu finden.

Abgeschlossen ist das Kontextmodul mit dem Härtetest noch nicht. Nun gilt es noch, die Arbeit zu dokumentieren und zu analysieren, was sich als tauglich oder untauglich erwiesen hat. Aber zuerst einmal heisst es: sich aufwärmen und von der aufregenden Nacht erholen.

Autorin: Senta van de Weetering
Bilder: Markus Käch und Lukas Galantay

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