Kloster Wesemlin: Studierende entwickeln Ideen für Umnutzung

Die Hochschule Luzern bietet für Studierende im Fachbereich Bau eine Zusatzqualifikation an, den «Bachelor+». Die Studierenden, die sich am zweiten Durchgang beteiligten, entwickelten in interdisziplinären Teams Vorschläge zur Umnutzung sakraler Räume des Luzerner Klosters Wesemlin. Vor allem der Vorschlag, die Brüder könnten in einen Neubau auf dem Gelände ziehen, fand Anklang bei den Kapuzinern.

Luftaufnahme Kloster Wesemlin
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Studierende des Fachbereichs Bau – Architektur, Innenarchitektur, Bauingenieurwesen und Gebäudetechnik | Energie – können seit einem Jahr die Zusatzqualifikation «Bachelor+» erwerben. Sie bereitet Studierende noch stärker auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor, die im Berufsleben immer wichtiger wird. 2018 arbeiteten zwölf Studierende in interdisziplinär zusammengesetzten Teams von drei oder vier Personen zusätzlich zum normalen Pensum an einer Aufgabe. Sie hiess dieses Jahr: «Umnutzung sakraler Räume und Erweiterung des Klosters Wesemlin». 

Weitgreifende Veränderungen für die Kapuzinerkongregation
Der Orden der Kapuziner steht vor enormen Veränderungen, weil die Zahl der Brüder stark abnimmt. Darauf haben die Brüder bereits reagiert: Sie haben durch Versetzungen ihren Standort von 30 auf 15 Brüder verringert und die Räume in einen Klosterbereich für sich selbst, eine Begegnungszone und einen zu vermietenden Bereich eingeteilt. In der Begegnungszone sind heute öffentliche Räume wie die Kirche, Pforte, Sprechzimmer, ein Meditationsraum sowie ein Mehrzweckraum, aber auch Wohnstudios für «klosternahes Wohnen». Ein knapp 1’000 Quadratmeter grosses Gelände ist an das Medicum Luzern vermietet, das dort ein Ärztezentrum für ambulante Medizin eingerichtet hat. Und im Garten ist ein sechsstöckiges Wohnhaus mit 30 Wohnungen geplant. «Aber die Entwicklungen und die damit verbundenen Veränderungen werden noch weitergehen», sagt Klostervorsteher Bruder Damian Keller. «Was die Finanzen angeht, haben wir kein Vermögen, für unsere Arbeit bekommen wir fast nichts; wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben. Und das ist der Raum.» 

Diese Gruppe nannte ihr Projekt «Plan B – Timeout». Der neue Anbau ans Kloster würde als Hotel genutzt: Ein Ort für Menschen, die sich aus der hektischen Stadt eine Auszeit gönnen möchten. Dieser neue Hotel-Anbau sollte das Kloster mitfinanzieren ohne den Tagesablauf der Brüder zu tangieren.
Projekt «Plan B – Timeout»: Dieser Vorschlag sieht vor, den neuen Anbau als Hotel zu nützen: Ein Ort für Menschen, die sich aus der hektischen Stadt eine Auszeit gönnen möchten.

Die Aufgabe der Studierenden war es daher, neue Strategien und Nutzungsmöglichkeiten für die Kongregation zu finden. Sie lernten dabei, sich an den Bedürfnissen eines realen Auftraggebers zu orientieren, der im Falle der Kapuziner-Brüder spezielle Anforderungen stellte. So muss unter anderem jeder Bruder einen privaten Raum als Rückzugsmöglichkeit haben und der Kloster-Bereich von dem der neuen Mitnutzenden getrennt bleiben, damit die Brüder dem klösterlichen Tagesablauf ungehindert nachgehen können. Ausserdem sollte die Erweiterung nicht den Bestand nachbilden, aber das ganze Areal genauso wie die neue Nutzung die Grundsätze und Werte der Kapuziner widerspiegeln.

Umbauen ist komplexer als Neues planen

«Das Erweitern und Umbauen eines bestehenden Gebäudes ist oft komplexer als das Planen eines Neubaus», sagt Luca Deon, Verantwortlicher des Moduls «Bachelor+». «Denn es gilt, den Ort, die Nutzung und das Tragwerk des Bestehenden zu analysieren und so mit Elementen zu verbinden, dass am Ende alles als neues Ganzes wahrgenommen wird. Zusätzlich sind die Studierenden verpflichtet, alle an der Planung beteiligten Disziplinen gleichwertig zu behandeln, synergetisch zu denken und ganzheitlich einzusetzen. Aus allen Disziplinen sollten entwurfsrelevante Aspekte erkannt, definiert und formgenerierend eingesetzt werden.»

Dafür haben die Studierenden mit den Brüdern vor Ort eine Bedürfnisanalyse erstellt und danach drei Ideen weiterverfolgt: Eine Gruppe sollte neue Nutzungsmöglichkeiten für die bestehenden Gebäuden finden, eine zweite einen Anbau planen und die dritte einen Vorschlag entwickeln, bei dem die Brüder in einen Neubau auf dem Gelände ziehen. Architekturstudent Michael Maibach arbeitete in der Neubau-Gruppe. Ihr Vorschlag: Ein Gebäude aus Lehm und Holz, dessen Räume so angeordnet sind, dass man um einen Innenhof herumgehen muss, um zu anderen Räumen oder in andere Etagen zu gelangen. «So wollten wir den Kreuzgang im Innenhof des Klosters modern interpretieren», sagt Michael Maibach. Am schwierigsten sei es gewesen, den eigenen Standpunkt mit denen der anderen Studienrichtungen zusammenzubringen. So hätten die Studierenden der Bautechnik sehr konkrete Fragen gestellt zu Konstruktion und Statik, als klar wurde, dass der Neubau aus Lehm gebaut werden sollte. «Im Optimalfall findet man einen Kompromiss mit allen Disziplinen, der mehrere Aufgaben mit einer Lösung verbinden kann», so Maibach. 

Überraschende Ideen

«Ich war verblüfft, mit welcher Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit sich die Studierenden auf das eingelassen haben, was wir hier tun», sagt Bruder Damian Keller. Den Vorschlag, dass die Bruderschaft in einen Neubau ziehen könnte, fand er am spannendsten. Auch, weil mit der Öffnung des Klosters und vor allem des Klostergartens für die Bürger die Bruderschaft lernen musste, sich abzugrenzen. «Heute gehen täglich allein wegen des Medicums 200 bis 250 Patienten hier ein und aus, früher war da niemand, weil das Gelände geschlossen war», erklärt Keller. «Aber in einem Neubau könnten wir ungestört unsere Gemeinschaftsleben weiterentwickeln.» Auch der Vorschlag einer Gruppe, dass die Brüder weniger Raum für sich reklamierten, sei «durchaus realistisch». Wie konkret die Gemeinschaft die Pläne umsetzen wird, sei schwierig zu sagen. «Aber wir sind uns bewusst, dass wir noch nicht die endgültige Lösung gefunden haben», sagt der Klostervorsteher. «Wir müssen weiterdenken.»

Modell der Gruppe, die den Auszug der Brüder aus den bestehenden Räumen vorschlägt.
Diese Lösung sieht den Auszug der Brüder aus dem bestehenden Kloster vor. Die Kloster-Räumlichkeiten sollen für ein Hotel, eine Cafeteria sowie ein Co-Working-Space genutzt werden. Der Alltag der Klostergemeinschaft würde mit diesem Konzept im Neubau stattfinden, der sich durch die Verbindung von Schlaf- und Arbeitsräume auszeichnet. Stampflehm für die Aussenwände strahlt Ruhe und Verbundenheit zur Natur aus.

Autorin: Senta van de Weetering
Bilder: Kloster Wesemlin, Markus Käch

Modul «Bachelor+ Interdisziplinarität am Bau»

Seit dem Studienjahr 2017/2018 bietet das Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern den bestgeeigneten und motivierten Studierenden die Möglichkeit, sich im Rahmen des Moduls «Bachelor+ Interdisziplinarität am Bau» vertieft in die Thematik der interdisziplinären Teamarbeit sowie des digitalen Bauens/BIM (Building Information Modeling) einzuarbeiten und sich so besonders für die anspruchsvolle Berufspraxis zu qualifizieren.

Vier interdisziplinäre Teams mit Studierenden aller Baustudiengänge absolvieren während ihrer letzten beiden Studiensemester – neben ihrer disziplinären Ausbildung – als Projektteams fünf aufeinander aufbauende interdisziplinäre Entwurfsprojekte. Das disziplinäre Bachelor-Studium wird mit dem zusätzlichen Zertifikat «Bachelor+ Interdisziplinarität am Bau» abgeschlossen.

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