Stephana Müller: Soziales Engagement in einer schnellen Welt

Stephana Müller arbeitet als selbstständige Entwicklerin für Digitales Marketing. Aber an zwei Tagen in der Woche setzt sie ihr Fachwissen für soziale Ziele ein.

Stephana Müller

Der Wunsch, sich sozial zu engagieren, entstand bei Stephana Müller im Studium. Kaum hatte sie ihren Bachelor in Business Administration, Kommunikation und Marketing an der Hochschule Luzern beendet, trat sie in die Sektion Luzern von Amnesty International ein. Sie ist noch heute Amnesty-Mitglied. Aber mittlerweile nutzt sie auch ihr Fachwissen für ihr soziales Engagement: Zurzeit arbeitet sie in der Freizeit für ihr Projekt DetectNow, das eine App entwickelt, die den Husten Covid-19-Kranker erkennen soll. Und einen Tag in der Woche an Malatec, das ein Mikroskop mit einer App kombiniert, die Malaria-Erreger in Blutproben erkennen kann. Die restliche Zeit arbeitet Stephana Müller für ihre Firma mit dem doppeldeutigen Namen Herodot GmbH (griechischer Geschichtsschreiber oder Hero-Dot?), mit der sich die 33-Jährige als Entwicklerin für datengetriebenes Digitales Marketing selbstständig gemacht hat und mit der sie ihr Leben finanziert.

Fachwissen für soziale Zwecke nützen

Die Idee zu Malatec hatte Daniel Barco, den Stephana Müller im Masterstudium in Applied Information and Data Science kennenlernte. «Während des ganzen Studiums haben wir uns überlegt, wie wir unser Fachwissen auch sozial nutzen können», erzählt Stephana Müller. Barco hatte vorher als Finanz- und Verwaltungsmanager für das Rote Kreuz in Kamerun gearbeitet und dort gesehen, wie wichtig es ist, die tödliche Krankheit Malaria einzudämmen. «Wir sind noch in der Explorerphase», sagt Müller. So überlegt sich das Team aktuell, wie Mikroskope günstig hergestellt werden können: ob vom 3D-Drucker ausgedruckt oder in Massenanfertigung hergestellt. Sie bringen dem Algorithmus bei, Malariaerreger zu erkennen, tauschen sich mit Expertinnen und Experten aus, die auf dem Gebiet forschen und suchen Geldgeber, die die Idee unterstützen wollen. «Es ist ein Open-Source-Projekt», erklärt Stephana Müller. Das bedeutet auch, dass Remote Teams dezentral an der Aufgabe arbeiten. «Wir haben keinen straffen Zeitplan, wir schreien nicht ‹mis, mis, mis!›, sondern tauschen in der Community Wissen und Codes aus und verbessern uns gegenseitig.» Das gefällt Stephana Müller: «Wir leben in einer wirtschaftsgetriebenen, schnellen Welt», sagt sie. «Ich bin sehr privilegiert, weil ich in der Schweiz geboren wurde und eine gute, günstige Ausbildung erhalten habe.» Ihre Arbeit an sozialen Projekten sei auch der Versuch, «etwas zurückzugeben».

Mit Tempo dabei, wenn es um Innovationen geht

In ihrer Arbeit für Herodot ist sie voll drin in dieser «schnellen Welt». Mehr noch: Sie braucht das Tempo; will vorne mit dabei sein, wenn es um Innovationen geht. Als sie nach fünf Jahren bei der Firma Jaywalker kündigte, hatte sie bereits als Head of Online Marketing und als Head of Data and Digital Projects gearbeitet. Und dafür gesorgt, dass die Firma schon früh Instagram und Snapchat als Marketingkanäle genutzt und damit anderen, wie sie sagt, die Richtung gewiesen habe.
Stephana Müller merkte bei Jaywalker, dass erstens «Marketing und Kommunikation voll mein Ding» sind. Dass sie zweitens gerne auf Basis digitaler Daten arbeitet und drittens gerne tiefer ins Thema einsteigen würde. Der interdisziplinäre Master in Applied Information and Data Science an der Hochschule Luzern bot ihr diese Schnittstelle zwischen Marketing und Kommunikation auf der einen und der technischen Informatikwelt auf der anderen Seite. Dabei erlernte sie nicht nur den Umgang mit den nötigen Werkzeugen und Applikationen und das Programmieren, sondern auch, kritisch zu denken, effektiv und präzise mit Fachleuten ganz anderer Gebiete zu kommunizieren und komplexe Themen für Laien verständlich aufzubereiten.

Inspirierende Arbeit mit Ärztinnen und anderen Spezialisten

Die im Studium erworbenen Fähigkeiten kann sie auch in ihren sozialen Projekten nutzen. Denn dafür muss sie mit Ärzten, Juristinnen, Datenschützern und Informatikerinnen zusammenarbeiten. Das Malatec-Team um Stephana Müller, Daniel Barco, Silvan Burnand und Benjamin Hohl sagt sogar, es sei das Inspirierendste an ihrem Job, «zu sehen, wie Spezialisten ihr Wissen mit uns teilen wollen». DetectNow und Malatec sind Projekte für eine bessere Zukunft. «Wir haben lange drüber nachgedacht, ob wir die Malatec-Mikroskope künftig gratis abgeben werden, haben uns aber dagegen entschieden. Kostet es etwas, werden die Geräte wohl mehr geschätzt und besser behandelt», sagt Stephana Müller. Wäre es daher denkbar, damit eines Tages auch Geld zu verdienen? «Es wäre schön, aber nicht sehr wahrscheinlich», sagt Stephana Müller. «Das sind Herzensprojekte, da ist der Lohn Nebensache.»

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