Drei Wege zum Glück

Lebenswege sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie beschreiten. Dies trifft auch auf die Wege zu Abschlüssen an Hochschulen zu. In dieser Serie geben uns drei Menschen zwischen 27 und 53 Einblicke in ihr lebenslanges Lernen und dessen Bedeutung für ihren Berufsalltag.

Person am lernen

Der erste Schultag, der erfolgreiche Lehrabschluss, die bestandene Matura – aber auch: ein Bachelordiplom oder das erste Certificate of Advanced Studies. Das Erlernen neuer Fähigkeiten ist nicht nur Kindern und Jugendlichen vorbehalten. Ganz im Gegenteil: Auch als Erwachsener – jünger oder älter – gibt es mannigfaltige Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen, das die persönliche und berufliche Entwicklung fördert.

In der Schweiz wird dieses Prinzip des lebenslangen Lernens vom Bund und den Kantonen mit verschiedenen Massnahmen und Projekten unterstützt. Denn mehr Bildung bedeutet bessere Berufschancen und damit auch bessere wirtschaftliche Verhältnisse für die Bevölkerung. Diese Strategie zeigt Wirkung: In der Schweiz verfügt jede zweite Person zwischen 25 und 34 über einen Abschluss an einer Hochschule oder an einer Höheren Fachschule. Das zeigt der aktuelle Bildungsbericht, der im März 2023 erschienen ist. Die Schweiz liegt mit dieser Quote über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Dort schliessen 38 Prozent der jungen Menschen eine Hochschulausbildung ab.

Drei Menschen, die an unterschiedlichen Stationen im Leben stehen, erzählen über ihre Motivation, ihr Wissen zu erweitern. Sie alle verbindet eines: das Studium oder die Weiterbildung an der HSLU.


Maurice Stiller (27), angehender Wirtschaftspsychologe

Maurice Stiller
Studiert im BSc Business Psychology

«Nach dem Abitur jobbte ich in einer Bar. Ich merkte, dass mir der Kontakt mit Menschen zusagt – aus jedem Gespräch, das ich führe, kann ich etwas über mich lernen. Ich entschied, die Hotelfachschule in Zürich zu besuchen, und kam dafür in die Schweiz. Ich bin als Auslandschweizer in Deutschland aufgewachsen. Nach der Ausbildung arbeitete ich während zwei Jahren als Führungskraft in einem Zürcher Hotel. Mir fiel auf, dass die Führung von Mitarbeitenden eine Aufgabe ist, welche die wenigsten wirklich gelernt haben: Man ist gut darin, was man tut, wird befördert und ist dann plötzlich für ein Team verantwortlich. Wie wichtig etwa für Vorgesetzte gutes Feedback von Mitarbeitenden ist, habe ich «on the Job» als Teamleiter gelernt.

Die Themen Management und Leadership haben mich schon in der Hotelfachschule sehr interessiert. Ich wollte mir in diesem Bereich noch mehr Wissen aneignen und suchte nach einer weiterführenden Ausbildung. Ich möchte sowohl wirtschaftliche Aspekte der Arbeitswelt als auch die Menschen in der Arbeit besser verstehen. Als ich auf den Studiengang Bachelor of Science in Business Psychology an der HSLU stiess, sah ich die Möglichkeit, diese beiden Interessen miteinander zu verknüpfen.

Im Herbst 2021 fing ich mit dem Studium an, das in drei Teile gegliedert ist: Wirtschaft, Psychologie und Methodik – dies miteinander zu verbinden, ist so spannend wie herausfordernd. In den ersten zwei Semestern wurde uns psychologisches Grundwissen vermittelt. Das war für mich ein neues Feld. Ich habe gelernt, wie Psychologie funktioniert. Als Vertiefungsrichtung habe ich Arbeits- und Organisationspsychologie gewählt. Dort befassen wir uns auch mit der Gesundheitspsychologie. Das finde ich ein wichtiges Fach: Wir verbringen so viel Zeit bei der Arbeit, da sollten wir wissen, was uns guttut und was nicht.

Der Unterricht ist sehr fachbezogen und praxisorientiert, oft wird auch das eigene Erleben aus der Berufswelt miteinbezogen. Mein beruflicher Weg soll mich mittelfristig zur Führungskräfte-Entwicklung führen. Das Studium an der HSLU gibt meinem Wissensrucksack das nötige Gewicht, um dahin zu kommen.»


Kevin Hold (35), Unternehmer und Tüftler

Kevin Hold
Hat MAS Designingenieur absolviert

«Nach einigen Berufsjahren als gelernter Polymechaniker habe ich ein dreijähriges Vollzeitstudium zum Maschinentechniker absolviert. Mit dem Bachelor im Sack fand ich bei einem Antennen-Hersteller eine Stelle als Entwicklungsingenieur. Mir war immer klar, dass für mich der Kontakt mit Menschen genauso wichtig ist, wie die Arbeit mit den Maschinen. In dieser Zeit erwachte mein Interesse fürs Produktdesign. Denn für die Gestaltung von Produkten ist die Interaktion mit Menschen nötig, um ihre Bedürfnisse abzuholen. Deshalb entschloss ich mich zu einer Weiterbildung im Bereich Design. Ein ebensolches Studium an einer Kunsthochschule wäre für mich allerdings sehr zeitaufwändig gewesen: Ich habe keine gestalterischen Vorkenntnisse. Eine Alternative dazu fand ich im MAS-Programm zum Designingenieur an der HSLU.

Berufsbegleitend habe ich die drei aufbauenden CAS- und abschliessend das Master-Modul besucht. Ich erwartete, Kreativitätstechniken kennen- und anwenden zu lernen. Doch diese Weiterbildung geht darüber hinaus. So lernte ich im Modul «Design Management», wie man eine Idee unternehmerisch und strategisch aufgleist. Dieses Wissen kommt mir heute zugute, nachdem mein Partner und ich uns dazu entschlossen haben, unser Projekt der Masterarbeit als selbstständige Designer weiterzuführen. Wir fahren beide leidenschaftlich gerne Velo und kamen so auf die Idee, etwas für den Zweirad-Nachwuchs zu machen: Wir entwickeln «Snakey Sally», ein Laufvelo für Kinder. Ich habe nun mein Arbeitspensum auf 80 Prozent reduziert. Das Smart-Up-Programm der HSLU unterstützt uns dabei. Wir können dadurch die Ressourcen der Hochschule weiterhin nutzen und erhalten ein Coaching. So können wir wertvolle Netzwerke aufbauen und erhalten Antrieb, in konstruktivem Sinn.

Es hat sich für mich immer richtig angefühlt, den Weg einzuschlagen, auf dem ich nun bin. Industriedesign verbindet die Technik mit den Menschen, das macht für mich Sinn: Ich wollte etwas machen, das im Zusammenhang mit meiner Arbeit steht.»


Rahel Dias (53), Leiterin Soziale Dienste

Rahel Dias
Absolviert den CAS Sozialhilferecht

«Ich habe schon meine Berufslehre zur kaufmännischen Angestellten auf einer Gemeindeverwaltung gemacht. Mit Ausnahme einer mehrjährigen Pause, in der ich mich der Familienarbeit gewidmet habe, arbeitete ich seither auf verschiedenen, meist kleineren bis mittleren, Gemeindeverwaltungen. In den 1990er-Jahren waren das Zivilstands- und das Arbeitsamt noch den Gemeindeverwaltungen angegliedert. Ich durfte unter anderem Ziviltrauungen durchführen oder arbeitslose Personen bei der Wiedereingliederung in den Berufsalltag unterstützen. Später übernahm ich Sozialhilfefälle. Diese Arbeit gefällt mir, weil es um Menschen geht. Dabei dienen mir die jeweiligen Gesetze, die ich bei der Verwaltungsarbeit einhalten muss, als Richtlinie in meinem Handlungsspielraum.

Seit zwei Jahren arbeite ich bei der Gemeinde Berikon. Die Sozialen Dienste waren bei den Zentralen Diensten angegliedert. Vor einem Jahr wurde daraus eine eigene Abteilung. Ich konnte mich für die Leitung dieser neuen Abteilung bewerben. Dabei wurde auch eine Weiterbildung thematisiert. Nach reiflichem Überlegen übernahm ich die Abteilungsleitung und absolvierte an der HSLU zunächst den Fachkurs Sozialhilfeverfahren. Im Anschluss daran entschied ich mich für das Weiterbildungsprogramm CAS Sozialhilferecht. Ich erwartete davon eine grössere fachliche Sicherheit in allen Belangen. Es ist mir wichtig, bei Verfahrensschritten korrekt vorzugehen.

Im Mai 2022 startete die Weiterbildung. Die Wissensvermittlung ist auf unsere tägliche Arbeit bezogen; als besonders wertvoll empfinde ich den Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Das Verfassen der Abschlussarbeit neben meinem 80 Prozent-Arbeitspensum ist eine Herausforderung für mich. Ich werde allerdings vonseiten der HSLU sehr gut unterstützt. Für den CAS wurde ich «sur-dossier» aufgenommen: Mir fehlt ein Tertiärabschluss und damit ein Aufnahmekriterium. Da ich aber über langjährige Arbeitserfahrung verfüge, wurde in einem Gespräch mit der Dozentin und Projektleiterin entschieden, dass ich dennoch zur Weiterbildung zugelassen werde. Darüber freue ich mich sehr – vor einigen Jahren hätte ich aufgrund der fehlenden Qualifikation das Gespräch mit der Ausbildungsstätte wohl gar nicht erst gesucht.»

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