Wie sich Einsamkeit im Alter zeigt

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Einsamkeit. Doch nicht jeder alleinstehende Mensch ist automatisch einsam. Zusammen mit der Berner Fachhochschule sowie den Universitäten Luzern und Zürich hat die HSLU ein Vorgehen entwickelt, um tatsächliche Einsamkeit besser zu erkennen und Betroffene zu unterstützen.

Einsamkeit im Alter ist ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft. 80’000 bis 150’000 Menschen im Alter über 65 Jahren fühlen sich hierzulande laut aktueller Gesundheitsbefragung einsam. Vereinsamte ältere Menschen erkranken tendenziell öfter und sterben früher. Das nationale Programm «Connect! Gemeinsam weniger einsam», an dem sich die HSLU und sieben weitere Forschungseinrichtungen beteiligten, setzt genau hier an.

Das Projekt «Connect! Gemeinsam weniger einsam»

Der Verein «Connect!» will die Einsamkeit im Alter reduzieren sowie die soziale Zusammengehörigkeit fördern. Auch soll die ältere Bevölkerung und ihr Umfeld gezielter informiert werden. «Connect!» wird von Stiftungen unterstützt und kann deshalb kostenlose Beratungen, Produkte und Dienstleistungen zur Einsamkeit im Alter anbieten. Der Verein arbeitet mit Pilotgemeinden und -kantonen sowie einem schweizweiten Netzwerk von 800 Fachpersonen zusammen. Er setzt sich aus Institutionen und Organisationen des Gemeinwesens, des Sozialbereichs und des Gesundheitssystems zusammen.

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Ein Forschungsteam am Departement Soziale Arbeit unter der Leitung von Dr. Aylin Wagner hat ein prototypisches Toolkit für das sogenannte Screening und Follow-up mitentwickelt. «Unser Instrument beinhaltet Schlüsselfragen, die verschiedenen Akteuren im Gesundheits- und Sozialsystem helfen, Einsamkeit im Alter rascher zu erkennen», erklärt Projektmitarbeiter Prof. Dr. Mario Störkle. «Das hilft, die Situation individuell besser einzuschätzen und die richtigen Massnahmen abzuleiten.» Einer der Gradmesser für Einsamkeit im Alter sei unter anderem das Gefühl, «aussen vor zu sein». Noch ist das Instrument in der Pilotphase. Die vorliegenden Resultate helfen, das Toolkit zu schärfen und es in Fortbildungen für Fachpersonen einzusetzen.

Vorsicht vor Vorurteilen 

Für die Perspektive der Sozialen Arbeit wurden Fachpersonen aus diversen Institutionen in den Kantonen Zug, Luzern und Schwyz miteinbezogen. Diese testeten das Instrument in professionellen Gesprächssituationen mit Direktbetroffenen. Die Ergebnisse: Das Toolkit wird von vielen als hilfreich empfunden, es wird aber auch Anpassungsbedarf angemeldet. Die Qualität der Antworten hängt stark vom Umfeld der älteren Menschen sowie von deren Bereitschaft ab, die eigene Lebenssituation zu reflektieren. «Beispielsweise bemerken Angehörige von Menschen mit Demenz oft nicht, dass diese vereinsamen, weil sie ihre sozialen Kontakte vernachlässigen», erklärt Störkle. Gleichzeitig warnt er vor vorschnellen Urteilen:

«Wir neigen dazu, Alleinsein negativ zu bewerten. Diverse ältere Menschen gaben an, sich nicht einsam zu fühlen – auch wenn sie wenig Freunde haben.»

Freiwilligenarbeit eröffnet Handlungsspielräume 

Unisono sind die befragten Fachleute der Meinung, dass das Toolkit ein guter Aufhänger ist, das Thema anzusprechen und einem gesellschaftlichen Tabu mehr Beachtung zu verschaffen. «Doch das Erkennen von Einsamkeit ist nur der Anfang», sagt Projektmitarbeiter Störkle. «Als nächstes brauchen wir Handlungsempfehlungen, wie wir ältere Menschen sinnvoll in unsere Gesellschaft integrieren.» Eine zentrale Rolle spiele dabei die Freiwilligenarbeit. Immer mehr Menschen zwischen 65 und 80 Jahren erhalten dadurch eine neue Aufgabe, bleiben aktiv und eher gesund. Gleichwohl: «Ein einheitliches Rezept für gesundes Altern gibt es nicht», sagt Störkle.

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