Arbeiten, wo sich Fuchs und Storch gute Nacht sagen

Der Wirtschafts-Absolvent Manuel Lichtsteiner und sein Co-Gründer Andreas Troxler zeigen mit ihrem Start-up Kreativfabrik 62, dass Coworking auch ausserhalb der Metropolen praktisch ist.

Coworking Space Kreativfabrik 62 in Oberkirch

Manuel Lichtsteiner und Andreas Troxler wollten gemeinsam etwas aufbauen. Ideen dazu entwickelten sie bereits während ihrem Studium an der Hochschule Luzern und an der Universität Zürich. Sie entschlossen sich schliesslich für einen Coworking-Space. Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Schweiz gerade mal eine Handvoll davon, fast alle im urbanen Raum. Die beiden Gründer waren jedoch überzeugt, dass es auch abseits der grösseren Städte ein Bedürfnis nach flexiblen Arbeitsräumen gab. Rückblickend sagt Manuel Lichtsteiner: «Es brauchte am Anfang viel Zeit und Geduld, denn wir mussten nicht nur ein Geschäftsmodell entwickeln, sondern zuerst einmal das Konzept Coworking hier in der Region bekannt machen.»

Manuel Lichtsteiner über den Aufbau der Kreativfabrik 62.

Ein halbes Jahr dauerte es, bis die ersten Mieterinnen und Mieter ihre Arbeitsplätze in der Kreativfabrik 62 in Oberkirch LU bezogen. Mittlerweile sind die insgesamt 24 Arbeitsplätze gut ausgelastet. Es gibt zwei Sitzungszimmer, einen Workshop- und Event-Raum und eine Küche mit Stehtischen. Die Coworkerinnen und Coworker sind Jungunternehmer, Gründerinnen und Gründer von Start-ups und teil-selbstständige Personen. Sie kommen aus den verschiedensten Bereichen, vom Tourismus über die Architektur bis hin zum Texter und einem Unternehmer, der nach der Pensionierung im Coworking-Space an einem Buch schreibt.

Gestartet sind die beiden Gründer sehr pragmatisch: «Die ersten Tische und Regale stammten aus dem Broki. Aus finanziellen Gründen konnten wir die Räume nicht von Anfang an so einrichten, wie wir wollten. Im Verlauf der Zeit konnten wir dann auf die Wünsche unserer Kunden eingehen und die Infrastruktur laufend ergänzen.» Die auffallende Tapete im Eventraum, mit Grossaufnahmen der Region – darunter ein Storch im Feld – wurde in Zusammenarbeit mit einer Coworkerin umgesetzt. Zahlreiche, liebevoll ausgesuchte Objekte wie der ausgestopfte Fuchs, der zum Gründungsinventar gehörte, oder der vor 30 Jahren ausrangierte Computer bringen Geschichte in den noch jungen Raum.

Netzwerken ist auch nach der Aufbauphase angesagt, in der Kaffeepause oder beim monatlichen Mittagessen, für das die Coworkerinnen und Coworker einander bekochen, und im KF 62 Club. Dieser zählt mittlerweile 80 Mitglieder und vernetzt die Coworker mit den Unternehmerinnen und Unternehmer der Region bei Events in der Kreativfabrik 62 und bei den Unternehmen der Region. «Der KF 62 Club hat drei wichtige Funktionen: Er bringt die Leute von aussen mit der Kreativfabrik 62 in Kontakt und steigert so die Bekanntheit des neuen Konzepts, zweitens fördert er den Austausch und den Know-how-Transfer untereinander und nicht zuletzt ist er eine zusätzliche Einnahmequelle.»

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