Andri Pol: Auf der Suche nach Geschichten

Am Ende seiner Ausbildung zum Zeichnungslehrer wusste Andri Pol, dass er nicht unterrichten wollte. 2017 wurde er zum Schweizer Fotografen des Jahres gekürt – und liebt seine Tätigkeit als Dozent.

Absolvent Andri Pol, Fotograf
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Manchmal streicht er wie ein Kater tagelang um die Häuser oder beobachtet stundenlang eine Strassenecke, bis er endlich den Auslöser drückt. Dann, zack! Ein Banker saust auf einem Kickboard über den Gehsteig, ein Fussgänger springt erschrocken zur Seite. Andri Pol hat das Bild im Kasten.  

Solche Schnappschüsse prägen seine Bildsprache: Alltagskomik, skurrile Begebenheiten, knorrige Charaktere, ein Blick in fremde Welten. Dem Betrachter entlocken Pols Bilder häufig ein Schmunzeln. So auch dieser Banker, den er mitten in der Wirtschaftsmetropole Frankfurt abgelichtet hat. Doch das ist nicht sein Hauptziel: «Nach dem Lachen sollte noch mehr passieren.» Pol will gesellschaftliche und politische Themen auf den Punkt bringen. Und genau dies gelingt ihm oft und überaus gut. 2017 hat ihn die Swiss Photo Academy zum Fotografen des Jahres ernannt.  

Pol (56) gilt als Autodidakt. Den Bachelor of Camera Arts, den die Hochschule Luzern heute anbietet, gab es 1983, als Andri Pol die Aufnahmeprüfung an der «Kunschti» machte, noch nicht. «Damals wusste ich sowieso noch nicht, was ich eigentlich will», sagt er rückblickend. «Mich hat die ganze Palette des gestalterischen Schaffens interessiert.» Die Ausbildung zum Zeichnungslehrer bot ihm dafür den perfekten Rahmen. Das Fotografieren gehörte dabei nur am Rande zum Unterrichtsprogramm. Dennoch sagt er: «Was ich heute mache, hat sehr viel mit dieser Schule zu tun.» Die Lehrer seien extrem grosszügig und dennoch fordernd und inspirierend gewesen. Die Studierenden hätten vieles selber herausfinden müssen, und genau dies sei immer noch wichtig für ihn: «Kreative Prozesse haben viel mit Disziplin, Ausprobieren und Mut zum Scheitern zu tun.» Zudem habe ihn die Schule gelehrt zu beobachten.  

Auf die Frage, weshalb er nicht Zeichnungslehrer geworden sei, nennt Pol mehrere Gründe: Gegen Ende der Ausbildung habe er gespürt, dass er für die Fotografie ein spezielles Talent habe und ihn dieses Handwerk am meisten interessierte. Der eigentliche Auslöser war jedoch sein Ferienjob: Er arbeitete während des Studiums regelmässig als Reiseleiter. Die Fotografie bot ihm die Chance, auch danach weiterhin neue Kulturen kennenzulernen. Lehrer ist Andri Pol dann trotzdem noch geworden: Seit einigen Jahren unterrichtet er als Dozent am Medienausbildungszentrum MAZ – und dies mit Leidenschaft. 

Autorin: Mirella Wepf
Bild: zVg 

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