Gegen 300 Design-, Film- und Kunststudierende geben ihrer Bachelor- oder Masterarbeit jetzt gerade den letzten Schliff, damit sie am 19. Juni für die Vernissage der grossen Werkschau bereit sind – einer Ausstellung, die jedes Frühjahr die Räume des Departements Design Film Kunst an der Hochschule Luzern füllt. Mit diesen Arbeiten schliessen die Absolventinnen und Absolventen das Studium ab und schaffen gleichzeitig eine Visitenkarte für ihre Karriere. Vom 20. bis 28. Juni 2026 werden die Resultate in der Viscosistadt in Emmenbrücke jeden Tag zwischen 12 und 19 Uhr öffentlich ausgestellt.
In der Ausstellung gibt es 300 Einzelwerke zu entdecken, von Video bis Illustration, von Textildesign bis Kunst. Gleichzeitig zeigt die Werkschau auch, was eine junge Generation von Künstlerinnen, Filmschaffenden und Designern umtreibt. «Es freut uns sehr, dass unsere Studierende ihr Können an der Werkschau einer grossen Öffentlichkeit zeigen», sagt Jacqueline Holzer, Direktorin des Departements Design Film Kunst. «Sie haben sich für ihre Abschlussarbeiten intensiv mit Themen auseinandergesetzt, die für sie persönlich und für uns als Gesellschaft relevant sind – sei es als Datadesignerin, als Illustrator oder als Raumgestalterin mit einem Abschluss in Spatial Design.»
«Unsere Studierenden haben sich für ihre Abschlussarbeiten intensiv mit Themen auseinandergesetzt, die für sie persönlich und für uns als Gesellschaft relevant sind.»
Jacqueline Holzer, Direktorin des Departements Design Film Kunst
Die Themen für die Bachelor- und Masterarbeiten wählen die Studierenden im Rahmen ihres Studienganges selbst. An der Ausstellung und in speziellen Führungen werden jedes Jahr Werke besonders hervorgehoben, die sich mit einem ausgewählten Thema beschäftigen. An der diesjährigen Werkschau heisst das Thema «Communities & Identities». Die hervorgehobenen Werke zeigen, wie junge Menschen sich gestaltend mit sich und der Welt beschäftigen.
Drei Beispiele für das, was das Publikum an der Werkschau erwartet:
Livia Dietsche, Bachelor Graphic Design


I Scrolled So Far I Grew Up
«Ich wollte in meiner Arbeit etwas Alltägliches neu betrachten», sagt Livia Dietsche zur Themenwahl für ihre Bachelorarbeit in Graphic Design. Sie entschied sich für die Social-Media-Plattform Instagram, die seit zehn Jahren nicht nur zu ihrem, sondern zum Alltag ihrer Generation gehört.
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Vor 10 Jahren eröffnete sich der damals 12-jährigen Livia Dietsche eine magisch wirkende Welt. Seither ist sie erwachsen geworden; ihr Blick auf die Plattform wurde mit den Jahren analytischer und kritischer. Doch auch Instagram hat sich seit 2016 stark verändert. «Während zu Beginn der soziale Aspekt noch im Vordergrund stand, nahm der ‹Media› Aspekt – KI, Werbung, Creator:innen und Insta als Business – immer mehr Überhand, auch wenn er den sozialen Aspekt nicht ganz verdrängt hat», beschreibt sie die Entwicklung im Rückblick. Diesen Veränderungen geht die Absolventin in ihrer Abschlussarbeit nach. Sie begann die Auseinandersetzung mit einem sehr persönlichen Zugang: ihrer Like-History. Ihre eigene Erfahrung stellt sie in einen grösseren Zusammenhang durch Zitate anderer Gen–Z-User:innen. Sie untersuchte drei Ebenen: Wie hat sich der Content auf Instagram verändert? Wie entwickelte sich ihre eigene Wahrnehmung der App und wie die Wahrnehmung ihrer ganzen Generation? Und schliesslich: Welche Veränderungen hat die App selber durchgemacht? Das Resultat ist eine Website fürs Handy, die beim Durchscrollen die Veränderung sicht- und spürbar macht. Die Farbwelt nimmt diejenige von Instagram auf – das Rot zum Beispiel ist dasjenige der «Like»-Herzchen. Die Veränderungen spiegeln sich in den Bildwelten, aber auch der Entwicklung der Schriften, die immer mehr an Verspieltheit verlieren und einen reduzierteren, maschinelleren Charakter erhalten. An der Werkschau ist die Arbeit von Livia Dietsche auf einem Handy und in einem Video zu sehen. In der Ausstellung gibt es 300 Einzelwerke zu entdecken, von Video bis Illustration, von Textildesign bis Kunst. Gleichzeitig zeigt die Werkschau auch, was eine junge Generation von Künstlerinnen, Filmschaffenden und Designern umtreibt. «Es freut uns sehr, dass unsere Studierende ihr Können an der Werkschau einer grossen Öffentlichkeit zeigen», sagt Jacqueline Holzer, Direktorin des Departements Design Film Kunst. «Sie haben sich für ihre Abschlussarbeiten intensiv mit Themen auseinandergesetzt, die für sie persönlich und für uns als Gesellschaft relevant sind – sei es als Datadesignerin, als Illustrator oder als Raumgestalterin mit einem Abschluss in Spatial Design.»
Linus Cart, Bachelor Video

Not in my Backyard
Ein Schiessstand, ein Gefängnis und ein Bundesasylzentrum im Bau stehen am Rande von Altstätten im Kanton St. Gallen direkt nebeneinander. Linus Carts Film macht diese spezielle Konstellation sichtbar und beleuchtet einen Ort, an dem gesellschaftliche Vorstellungen von Sicherheit, Kontrolle und Zugehörigkeit aufeinandertreffen.
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Ausser der geografischen Nähe verbindet die drei Institutionen nichts miteinander. So war denn auch die Reaktion auf Linus Carts Wunsch, dort zu filmen, ganz unterschiedlich: Während der Gefängnisdirektor dem Regisseur und seinem Anliegen offen begegnete, verweigerten die zuständigen Instanzen für das Bundesasylzentrum jedes Gespräch. Und beim Schiessstand begegnete dem Filmteam zunächst ein Misstrauen, das nur schwer zu überbrücken war.
In Linus Carts Dokumentarfilm kommunizieren die drei Orte miteinander und kommentieren sich gegenseitig. Das Gefängnis erzählt von Ordnung und Strafe, das Asylzentrum von Unsicherheit und Übergang, der Schiessstand von Pflichtgefühl und Tradition: «Was mich an dem Ort zuallererst beeindruckt hat, war die Präsenz, vor allem die Lautstärke der Schüsse», sagt Linus Cart. Dieses Geräusch hält jetzt den Film zusammen: Es macht bewusst, dass ein Schuss immer auch Gewalt sein kann. Ein mulmiges Gefühl habe dieser Ort in ihm ausgelöst, sagt Linus Cart. In seinem 15-minütigen Dokumentarfilm will er dies erfahrbar machen.
Kamera: Nora Luz, Setton: Pino Nessi Musik Zéno Zipper In der Ausstellung gibt es 300 Einzelwerke zu entdecken, von Video bis Illustration, von Textildesign bis Kunst. Gleichzeitig zeigt die Werkschau auch, was eine junge Generation von Künstlerinnen, Filmschaffenden und Designern umtreibt. «Es freut uns sehr, dass unsere Studierende ihr Können an der Werkschau einer grossen Öffentlichkeit zeigen», sagt Jacqueline Holzer, Direktorin des Departements Design Film Kunst. «Sie haben sich für ihre Abschlussarbeiten intensiv mit Themen auseinandergesetzt, die für sie persönlich und für uns als Gesellschaft relevant sind – sei es als Datadesignerin, als Illustrator oder als Raumgestalterin mit einem Abschluss in Spatial Design.»
Alva Jeker, Textildesign

Weaving Conversations
Weben ist eine handfeste Tätigkeit. Gleichzeitig hat es einen hohen symbolischen Wert, wenn Ideen und Hände, Fäden zu Stoff verweben. In Alva Jekers Bachelor-Projekt «Weaving Conversations» kommt beides zusammen.
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Alva Jeker ging der Frage nach, wie aus textilem Gestalten, insbesondere aus der Handlung des Webens, soziale Verbundenheit entstehen kann. Die Versuchsanlage war einfach: Sie lud Menschen ein, an verschiedenen Orten zusammenzukommen und stellte ihnen Werkzeug und Material – Webgestelle und-rahmen sowie Wolle – zur Verfügung. Damit konnten die Teilnehmenden ohne Vorwissen weben. Wenn es gewünscht wurde, erklärte sie die Grundprinzipien des Handwerks, doch meistens, sagt sie, hätten die Menschen einfach zu Weben begonnen und sich im Austausch miteinander die Technik selbständig erschlossen.
«Ich vermutete, dass die Menschen durch die gemeinsame gleiche Tätigkeit leichter in Kontakt kommen würden», erklärt Alva Jeker ihre Motivation für ihr Thema. Dabei ging es nicht nur um das Handwerk an sich, sondern um die Gespräche, die dabei entstanden. Dies gehe in der digitalisierten Gesellschaft immer mehr verloren. «Das Material, das ich zur Verfügung stellte, war Wolle aus Restbeständen. Ich habe bewusst Wolle gewählt da diese an sich schon etwas Sensitives, Warmes und Sinnliches hat», sagt sie. Ihre Vermutung ist, dass dies die positive Grundstimmung unterstützte.
Im Studium arbeitete Alva Jeker oft mit einem computergesteuerten Webstuhl – allein. Sie schätzt die Möglichkeiten, die er eröffnet. Für die Bachelorarbeit aber wollte sie bewusst von der individuellen Arbeit weg. Es ging ihr darum, im analogen Raum mit Menschen zu arbeiten und die Gewebe aus der spontanen, physischen Zusammenarbeit entstehen lassen.
Dokumentiert sind die Anlässe nun doch digital, da der digitale Raum grössere Reichweite für ihr Anliegen schafft und die Idee darin weitergetragen werden kann. Hier soll die Dokumentation andere Menschen inspirieren, die ähnliche Treffen veranstalten möchten. Die Informationen dazu können sie ebenfalls auf der Website dokumentieren und so wiederum anderen als Inspiration dienen. Alva Jeker hat noch eine weitere Vision, wie sich ihr Projekt weiterentwickeln kann: Einen lokalen Ort schaffen, an dem solche Web-Treffen regelmässig stattfinden können, ein Raum für Verbundenheit, wo das Werkstück und die Gemeinschaft mit jedem neuen Treffen wächst.