«Räume müssen mit dem ganzen Körper erfahren werden»

Annabelle Schneider schafft mit ihren Installationen Räume, die Menschen auf der ganzen Welt berühren. Es sind Zufluchtsorte der Entschleunigung. Damit will die HSLU-Alumna einen Kontrapunkt zur Reizüberflutung der digitalen Welt setzen.

Installation Breathe with Pilatus mit farbigen Kissen am Boden und beleuchteter weisser Kuppel

In eine einzigartige Umgebung eintauchen und mit allen Sinnen im Moment präsent sein: Diese Erfahrung machen Gäste auf dem Pilatus derzeit nicht nur angesichts der spektakulären Natur, sondern auch in einer begehbaren Stoffwolke. «Breathe with Pilatus» heisst die preisgekrönte Arbeit der Schweizer Experience Designerin Annabelle Schneider, die alle Sinne anspricht. Ein «lebendiger Organismus» aus Stoff, Licht, Klang und Duft. Die Installation soll die Menschen erden, verbinden und nachhaltige Erlebnisse kreieren, erklärt die Künstlerin ihre Intention. Das Werk entstand 2024 unter dem Titel «Breathe with me» als Auftragsarbeit des Schweizer Generalkonsulats für das New Yorker Designfestival NYCxDESIGN. Nach Stationen in Barcelona, Taschkent, Gainesville, Toronto, Dubai und der Art Basel ist es erstmals in der Zentralschweiz zu erleben.

Märli für Erwachsene (7. und 8. März 2026)

Patrick Frey, Rebekka Lindauer, Max Küng und Peter Schneider präsentieren im Rahmen von «Breathe with Pilatus» ihre besten Geschichten – humorvoll, satirisch, nachdenklich und höchst unterhaltsam. Für eine traumhafte Note sorgt Musikerin und HSLU-Alumna Heidi Happy.

Weitere Informationen unter: pilatus.ch

Wo sich ein Kreis schliesst, beginnt ein neuer

Bis 2009 studierte Annabelle Schneider Design Management International am Departement Design Film Kunst der HSLU. Nach fast zwanzig Jahren zurückzukommen, sei ein echter «Full-Circle-Moment», beschreibt die 40-Jährige ihre Gefühlslage. «Für mich schliesst sich hier ein Kreis zwischen Ausbildung und Praxis, Herkunft und Gegenwart». Die Zeit an der HSLU sei prägend gewesen. Hier habe sie gelernt, ihre überbordende Kreativität um eine prozessuale und strategische Dimension zu erweitern und vielseitiger umzusetzen. Denn: Kreativität allein reiche nicht aus. Was es ebenso brauche, seien Methoden, Strukturen und ein Verständnis dafür, wie Ideen realisiert und kommuniziert werden könnten und wie sie bei Menschen und Märkten Resonanz erzeugen.

Das Studium als Fundament

Woran sie sich sonst noch erinnert? – «An die Menschen aus aller Welt», sagt sie. Unterschiedlichste Perspektiven, Bräuche, Glaubenshaltungen und Visionen seien an einem Ort zusammengekommen und hätten zu einem intensiven kreativen und durchaus kritischen Austausch geführt. «Eigene Haltungen, Entscheidungen und Sichtweisen wurden kontinuierlich hinterfragt und reflektiert. Diese Erfahrung hat mein Denken nachhaltig beeinflusst.» Das Studium sei ihr Fundament. Gelernt habe sie aber mindestens ebenso viel durch das Leben selbst. Dies mitunter auch dank einer grossen Portion Neugier und dem Mut, sich in Situationen zu begeben, für die es noch keinen Plan gäbe.

Kunst- und Kulturmetropole als Anker

Nach dem Studium an der HSLU wurde New York, als Designhotspot und Zentrum der Hip-Hop-Kultur, Lebens- und Arbeitsmittelpunkt von Annabelle Schneider. Hier absolvierte sie ein zweites Studium: Innenarchitektur an der Parsons School of Design, der führenden Design-Universität in den USA, wo sie heute auch als Dozentin lehrt. Es folgten Projekte und Tätigkeiten mit namhaften Brands. Schneider entwickelte Markenstrategien, kreierte Laufstege für Modeschauen und gestaltete Ladenlokale sowie Restaurant- und Hotelräume. Messen, Festivals und temporäre Formate nutzte sie für sich ebenso als Testfelder wie Erfahrungen mit einem ersten Virtual Store für den Instagram Brand «Coffee n Clothes».

In den Übergängen liegt die Kraft

Ihr ganzheitliches Verständnis von Gesundheit und ihr Interesse an Chinesischer Medizin, Neurologie, Somatik, Atmung und Wahrnehmung waren massgeblich für die Entstehung von «Breathe with me». Die Frage, wie Menschen Räume erleben, wie sie sich darin fühlen und wie die Gestaltung ihr Verhalten und ihre Emotionen beeinflusst, habe sie immer interessiert: «Ich arbeite bewusst mit physischen, multisensorischen Räumen, die uns helfen, vom Kopf in den Körper zurückzufinden und präsent zu sein. Im Digitalen bleiben viele Sinne unberührt. Räume hingegen müssen mit dem ganzen Körper erfahren werden», führt Schneider aus. «Hier interagieren Menschen – mit dem Raum, mit anderen und mit sich selbst.» Besonders zentral sei für sie dabei das Betreten und das Verlassen eines Raums. Diese Schwellenmomente würden bestimmen, wie Menschen ankommen, loslassen und emotional in einen Raum eintauchen. Auch die atmende Wolke wirke wie ein Portal. Sie schaffe einen Raum im Raum. Einen Ort, um Kraft und Inspiration zu tanken. Die Ruhe zum Wachsen.


Porträt von Annabelle Schneider

Zur Person

Die in der Schweiz geborene und in New York lebende Künstlerin und Experience Designerin Annabelle Schneider schafft immersive Umgebungen, die psychisches Wohlbefinden, emotionale Verbindungen und sensorische Präsenz fördern. In ihrem Studio entwirft sie menschenzentrierte Erlebnisse an der Schnittstelle von physischem und digitalem Raum. Aktuell arbeitet sie an einer grossen Installation, die im April an der Design Week in Mailand gezeigt wird.


Annabelle Schneiders Installation «Breathe with Pilatus» ist noch bis zum 26. April 2026 auf Pilatus Kulm zu sehen.

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