Martina Berther: Tonkünstlerin am E-Bass

Sie spielt in zahlreichen Bands und ist die vielseitigste E-Bassistin der Schweiz. Im Juli steht sie mit Sophie Hunger am Gurtenfestival auf der Bühne. We proudly present: Martina Berther.

Martina Berther, eine der gefragtesten E-Bassistinnen der Schweiz

Als Martina Berther Schlagzeug lernen wollte, hiess es, das sei etwas für Buben. So lernte sie sieben Jahre lang Trompete. Dank der Jugendmusik fand sie zum E-Bass.
«Das ist MEIN Instrument!», dachte sie, als sie es mit 17 bei einer Probe zum ersten Mal einen in der Hand hielt. Damals war der Bassist aus dem Orchester ausgestiegen; sie erklärte sich bereit, den Part zu übernehmen und tat dies mit Erfolg. Nur vier Jahre später bestand sie die Aufnahmeprüfung an die Hochschule Luzern. 2012 erhielt sie als erste Frau das Masterdiplom in Performance für E-Bass.

Musikpädagogik als Absicherung

«Dass ich Musik studieren konnte, war für mich wie ein Traum», erzählt Berther. Zwischendurch musste ich mich kneifen: «Krass! Ich studiere Musik!» Zusätzlich absolvierte Berther einen Master in Musikpädagogik. «Zur finanziellen Absicherung», erklärt sie mit einem Augenzwinkern: «Dabei sind E-Bass-Lehrerstellen rar gesät. Diese Sicherheit ist also relativ …» Aber sie hatte das Glück, als Stellvertreterin mehrere Jahre lang an unterschiedlichen Schulen unterrichten zu können und für «Helvetiarockt» Female Bandworkshops zu geben.

Mit Sophie Hunger auf Tournee

Zurzeit verdient Berther ihren Lebensunterhalt vor allem mit Konzerten; Ende 2018 gewann sie zudem das Werkjahr der Stadt Zürich, wo sie seit 2016 lebt. Davon kann sie eine Weile zehren. Diesen Sommer begleitet sie Sophie Hunger auf ihrer Festival-Tournee. Doch auch mit einer derart erfolgreichen Band werde man als Musikerin nicht reich, sagt Berther klipp und klar. Wenn man die Musik zum Beruf mache, dann müsse man dies wirklich wollen. «Es ist extrem intensiv.» Berther will. Mit verschiedensten Bands spielt sie zusammen, in Stilrichtungen von Pop über Indie Jazz bis Experimental.

In den Bergen muss der Bass dem Flügelhorn weichen

Doch Berther ist auch solo unterwegs: Als «Frida Stroom» entlockt sie ihrem Bass die seltsamsten Töne. Lied «Drei» klingt beispielsweise wie ein einfahrender Zug… Sie spielt Flügelhorn («weil ich es besser in die Berge mitnehmen kann als den Bass»), übt Schlagzeug («endlich – als Kind durfte ich das nicht, weil ich ein Mädchen war»!), liebäugelt damit, später einmal als Komponistin zu arbeiten, und Alphorn wolle sie ganz bestimmt auch noch lernen. Etwas freut Berther besonders: Sie erhält immer mehr Angebote, um mit ihren eigenen Projekten aufzutreten. Dazu gehören neben den Soloauftritten «Ester Poly» und «Aul». «Ich möchte längerfristig als eigenständige Künstlerin tätig sein und weniger als Sidewoman,» sagt sie zu ihren Zukunftsplänen.

Wenn man die Musik zum Beruf macht, muss man dies wirklich wollen. Es ist extrem streng.

Martina Berther

Play your own thing!

«Ich habe immer mehr angefangen, meine eigene Sprache zu entwickeln, und ich bewege mich immer weiter weg von dem, was ich in Luzern gelernt habe», sagt Berther. Dort habe sie immer deutlicher gemerkt, dass der traditionelle Jazz eigentlich gar nicht so ihr Ding sei. «Und doch bezeichne ich mich immer noch als Jazzmusikerin, da es mir um die Improvisation in der Musik geht.» Dieser vermeintliche Widerspruch löst sich auf, wenn man sich das Motto der grössten Jazzschule der Schweiz vor Augen führt: «Play your own thing» steht auf der Homepage. «Die Förderung der Individualität und der eigenen musikalischen Sprache geniesst am Institut für Jazz höchste Priorität.» Es scheint schon fast, als wäre Berther die perfekte Musterschülerin.

Autorin: Mirella Wepf
Bild: Ingo Höhn

Frida Stroom alias Martina Berther im Neubad
Ester Poly: Martina Berther (E-Bass, Vocals) und Béatrice Graf (Drums, Vocals)

Zur Person

Martina Berther (*1984) ist in Chur aufgewachsen. Als ihr Basslehrer fragte, ob sie nicht die Jazzschule besuchen möchte, freute sie sich sehr und setzte ihren lange gehegten heimlichen Wunsch, Musikerin zu werden, um. 2012 hatte sie schliesslich das Masterdiplom der Hochschule Luzern in der Tasche.

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