Im Schweizer Gesundheitswesen herrscht Fachkräftemangel, die Kosten explodieren. Eigentlich ideale Bedingungen für Unternehmensgründungen, doch 2024 entstanden nur 6 Prozent der Start-ups im Gesundheits- und Sozialwesen. Hinzu kommt, dass zwar über 70 Prozent der Beschäftigten in diesem Sektor Frauen sind, machen sie nur 20 Prozent der Gründerinnen aus. Weshalb Start-ups im Gesundheits- und Sozialbereich einen schweren Stand haben, wollten Silvia Domeniconi-Pfister und Sylvia Manchen Spörri in einer Studie herausfinden.
Kaum vorhandener Investorenmarkt
Die grösste Überlebenshürde für junge Start-ups bleibt die Finanzierung. «Die Studierenden haben zwar viele Ideen und lancieren, etwa in einer Bachelorarbeit, vielversprechende Initiativen, aber im Gegensatz zur Informations-, Kommunikations- und Finanztechnologie existiert im Gesundheits- und Sozialwesen kaum ein Investorenmarkt», sagt Silvia Domeniconi-Pfister, Coach bei der HSLU-Förderinitiative «SmartUp». Kommt hinzu, dass Gründerinnen und Gründer in einen hochregulierten Bereich eintreten. Hier hat man mit vielen behördlichen Stellen zu tun und kann sich schnell in einem Antragsdschungel verlieren.
Sie starten richtig durch
Einige Start-ups im Gesundheits- und Sozialbereich haben ihren Ursprung an der HSLU. Beispiele einiger Firmengründungen, die von der HSLU-Förderinitiative «SmartUp» mitunterstützt wurden:
Grosse Marktchancen bietet derweil die digitale Transformation im Gesundheitswesen. Wer Pflegewissen mit Informatik und Wirtschaft verbindet, hat laut Studie gute Zukunftsaussichten. Gefragt sind Lösungen zur Automatisierung von Pflegeprozessen oder zur personalisierten Unterstützung auf Datenbasis. Die Hochschule legt dafür bereits in der Ausbildung den Grundstein: mit interdisziplinären Modulen und Labs, die ein innovatives Mindset fördern.
Etwas Sinnvolles bewirken
Untersucht haben die Studienautorinnen auch, was Start-up-Gründerinnen und Gründer im Gesundheits- und Sozialwesen antreibt. «Sie ticken anders», sagt Silvia Domeniconi-Pfister. Die Befragten beschrieben sich als Macherinnen, mutig, gestaltungsfreudig, ausdauernd. «Was sie antreibt, ist weniger finanzieller Erfolg als Selbstbestimmung und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu bewirken.» Sylvia Manchen Spörri unterscheidet zwei Gründertypen: Die einen steigen direkt und optimistisch ins Business ein, gepaart mit einer Portion Dreistigkeit. Die anderen bauen ihr Geschäft parallel zu einer Anstellung auf. Frauen, die Gründung und Familie vereinbaren, wählen häufig den zweiten, längeren Weg.
HSLU-Fördergefäss: Interdisziplinäre Netzwerke
Die Healthcare Entrepreneurship Studie wurde im Rahmen der HSLU-Initiative Interdisziplinäre Netzwerke (IDN) unterstützt. Dabei handelt sich um ein Impulsprogramm, das die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit gezielt fördert.
Dennoch braucht es nebst der zündenden Idee und Idealismus ein betriebswirtschaftliches Fundament. «Für den kommerziellen Erfolg muss eine solide Projektplanung vorliegen. Das steht nicht im Widerspruch zu einer wertorientierten Grundhaltung», ist Manchen Spörri überzeugt. Wirtschaftliche Netzwerke sind ebenso zentral: Über sie lassen sich Kooperationen einfädeln und Kundinnen und Kunden gewinnen. Gefragt sind auch transdisziplinäre Geschäftsmodelle, die verschiedene Leistungen aus einer Hand bündeln, zum Beispiel Pflege, Sozialarbeit und juristische Beratung. Genau hier setzen Domeniconi-Pfister und Manchen Spörri an: Im Coaching bei SmartUp werden Gründerinnen und Gründer dabei begleitet, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Domeniconi-Pfister ist überzeugt: «Attraktive Nischen gibt es viele.»